Ein kleiner Ratgeber, wenn Architekten über Dachtypen sprechen. Nicht nur beim Fertighaus - auch beim Massivhaus.
Satteldach (klassische Dachform, zwei Dachflächen)
Von allen Dachformen wird das Satteldach am häufigsten gebaut. Die
Konstruktion wird als Sparren- oder Pfettendach erstellt, was sich über
Jahrzehnte hinweg bewährt hat. Es gibt vielzählige Variationen an
Satteldächern; z.B. mit gleichen oder unterschiedlichen Dachneigungen
sowie Traufhöhen.
Walmdach (vier Dachflächen)
Beim Walmdach sind die Giebelwände abgewinkelt. Je nach Anordnung der
Abschrägungen, den so genannten Schmalseiten, unterscheidet man im
Allgemeinen zwischen einem Krüppelwalmdach, Halbwalmdach und
Fußwalmdach. Ist der Giebel im oberen Bereich in Richtung Dachfirst
geknickt, ist es ein Krüppelwalmdach. Bei einem so genannten
Halbwalmdach sind die Trauflinien deutlich höher als an den
Längsseiten. Befinden sich die Schmalseiten in etwa auf Höhe der
seitlichen Trauflinien, handelt es sich um ein Fußwalmdach. Am
häufigsten wird das Walmdach als Pfettendach ausgeführt. Eine solche
Konstruktion ist nicht nur, relativ gesehen, einfach umzusetzen,
sondern auch sehr kostengünstig.
Pultdach (nur eine Dachfläche)
Das Pultdach ist ein halbes, einseitig geneigtes Sparrendach ? Es hat
die Form eines Pultes. Der Dachfirst stützt sich auf eine senkrechte
Wand. Pultdächer gibt es mit ebenen, gebrochenen und gekrümmten
Flächen. Pultdächer wurden meistens dann errichtet, wenn an einem
Gebäude ein niedriger Anbau angebracht werden soll. Durch das
Einbeziehen von Solaranlagen und Gebäudeausrichtungen hat das Pultdach
zusätzlich neue Bedeutung gewonnen. Im Winter wird die Energie der
Sonne optimal ausgenutzt und im Sommer bietet das Pultdach eine bessere
Verschattung aufgrund der steiler einfallenden Sonnenstrahlen. Wegen
der Pultdachkonstruktionen auf der Nordseite, entstehen geringere
Wärmeverluste.
Tonnendach (halbrund, wie ein liegender Zylinder)
Ein Tonnendach eine Wölbung ähnlich einer liegenden Tonne hat. Die
Dachform stellt in deren Querschnitt ein Kreissegment dar. Diese eher
seltene Dachform wird gelegentlich für Dächer von Industriebauten
verwendet.
Halbtonnendach
Aufgesetzter Viertelzylinder?. Halbtonnendächer werden gebaut, um
versetzte Baukörper zu betonen oder Dachlandschaften aufzulockern.
Sheddach (Sägezahndach)
Ein Sheddach kommt vor allem bei großflächigen Bauten wie zum Beispiel
Fabrikhallen zum Einsatz vor. Dadurch, dass kleine satteldachartige
Aufbauten mehrfache hintereinander gesetzt werden, kann die Dachhöhe
insgesamt niedrig gehalten werden. Die Neigung der beiden Seiten eines
jeden Reiters ist üblicherweise verschieden. Oft ist eine Seite auch
senkrecht, so dass ein Gebäude weniger Stützen für den Dachaufbau
benötigt. Die steile Seite ist meist in Glas gehalten, woraus eine
gleichmäßige und gute Beleuchtung großer und größter überdachter
Flächen resultiert. Um blendfreies Licht in die Halle zu bekommen, ist
die Glasseite meist von der Sonne abgewandt.
Bogendach (flacher als das Tonnendach)
Ein Bogendach ist eine Dachform die ähnlich dem Tonnendach ist, jedoch
im Gegensatz zu diesem wesentlich weniger gewölbt ist. Es wird meist
aus einem bombierten, gebogenen Blech hergestellt.
Krüppelwalmdach
Das Krüppelwalmdach hat eine lange historische Tradition. Es wurde
häufig dort eingesetzt, wo ein Steilgiebel an der Stelle geschützt
werden musste, wo er besonderes stark den Witterungsbedingungen
ausgesetzt war. Das Krüppelwalmdach bietet eine interessante,
eigenständige Optik. Diese Dachform wird heute noch gern gewählt, vor
allem dort, wo Giebel wegen rauer Witterung geschützt werden müssen.
Mansarddach
Das Mansarddach ist nach dem französischen Architekten Mansard benannt.
Er entwickelte als Erster die eigenwillige Konstruktion mit den
gebrochenen Dachflächen. Es sollte so mehr Wohnraum unter dem Dach
geschaffen werden. Im Grunde ist ein Mansarddach eine Dachkonstruktion,
die aus zwei Dächern mit unterschiedlichem Winkelgrad besteht. Der von
der obersten Geschoßdecke verlaufende Dachteil hat eine sehr steile
Dachneigung, daran schließt sich dann ein relativ flaches Dach an. Der
Vorteil des großen Dachraums ist aber zugleich eine konstruktive
Herausforderung, weil vor allem am Übergang der beiden unterschiedlich
steilen Dächer die Dachfläche gebrochen wird. Deshalb ist auf eine
aufwändige Konstruktion des Sparrenfußes zu achten.
Zeltdach oder Turmdach (Pyramidendach)
Das Zeltdach kann in der Regel nur auf einem quadratischen
Hausgrundriss errichtet werden und ist daher eine relativ seltene
Dachform. Das Zeltdach ist auf allen Seiten symmetrisch. Alle
Gratlinien enden in einem Firstpunkt. Steile Zeltdächer auf Türmen
werden auch Pyramidendach genannt.
Schmetterlingsdach (nach innen geneigte Dachflächen)
Hierbei laufen die niedrigeren Dachhälften eines Pultdaches
gegeneinander, woraus der Eindruck eines aufschwingenden Flügels
entsteht. Der Nachteil eines solchen Daches ist die Dachentwässerung,
die bei starkem Regen kritisch wird.
Zwerchdach (mit quer zum Hauptdach verlaufendem Giebel)
Das Zwerchdach ist eine Dachform mit einem quer zum Hauptdach
verlaufenden Giebel. Der Giebel ist allerdings nicht bis zum Dachfirst
hochgezogen ist. Das ist der wesentliche Unterschied zwischen einem
Zwerchdach und Kreuzdach. Durch das Zwerchdach wird die Wohnfläche
ebenfalls vergrößert.
Paralleldach bzw. Muldendach (Satteldach mit mind. 2 Giebeln)
Das Parallel- bzw. Muldendach ist ein Satteldach mit zwei oder mehr
Giebeln. Ein Paralleldach sieht man beispielsweise bei Reihenhäusern.
Die Entwässerung ist das Problem beim Paralleldach. Die Entwässerung
muss zwischen den einzelnen Häusern bzw. in den Tiefpunkten erfolgen.
Ist das Dach nicht absolut dicht, droht ein Wassereinbruch.
Ringpultdach
Das Ringpultdach ist ein Pultdach auf einem kreisförmigen Grundriss. Es
ist häufig wie das Zwiebeldach oder Glockendach bei repräsentativen
Sakralbauten zu beobachten.
Kegeldach
Das Kegeldach, welches wie das Zeltdach vor allem auf Kirchtürmen
errichtet wurde, sieht entsprechend so aus, ist jedoch rund. Schindeln
aus Schiefer, Ton oder Metall kommen hierfür als Eindeckung in Frage.
Grabendach (Schmetterlingsdach mit mind. 2 Giebeln)
Das Grabendach ist wie das Paralleldach durch ein ständiges Auf und Ab
der Dachflächen gekennzeichnet. Beim Grabendach fällt das Dach von den
Seitenmauern zur Hausmitte ab. Das Grabendach findet man in dicht
bebauten Innenstädten oder bei Fabrikhallen. Bei Wohnhäusern wird das
Grabendach oft durch einen Blendgiebel verdeckt.
Faltendach
Das Faltendach ähnelt äußerlich dem Rhombendach. Allerdings mit dem
Unterschied, dass beim Faltdach die rhombische Fläche nach innen
gebrochen ist und eine Kehle entsteht.
Kuppeldach
Kuppelartig gewölbt ruhen diese Dächer ruhen auf acht- bis zwölfeckigen
(oder mehr) Auflagern. Als Beispiel dient das verglaste Kuppeldach des
Reichstagsgebäudes in Berlin. Kuppeldächer werden meistens mit Kupfer,
Edelstahl oder Titanzink bedeckt.
Zwiebeldach / -helm
Das Zwiebeldach besteht aus ein- und ausgeschweiften, in einer Spitze
zusammenlaufen Dachflächen. Anders als beim Glockendach sind die
Flächen im oberen Teil konkav und im unteren Teil konvex geschweift.
Das Zwiebeldach kann man besonders an alten Kirchen in Süddeutschland
und in Österreich sehen.
Glockendach
Das Glockendach ähnelt dem Zwiebeldach, jedoch oben konvex, und unten
konkav. Das Glockendach ist die Dachform haubenförmig mit geschweiftem
Umriss. Im oberen Teil sind die Dachflächen konvex, im unteren Teil
sind sie konkav geschweift ? Was sich beim Zwiebeldach genau umgekehrt
verhält.
Hyperbolisch-paraboloides Dach
Bei dieser Dachform tragen nicht der Dachfirst und die Gaube die Last,
sondern die Last wird von der Schale selbst getragen. Das Dach trägt
sich sozusagen selbst ? ein so genanntes Schalentragewerk. Durch
Zusammenspannung der beiden Tiefpunkte, z.B. durch ein Stahlseil,
erhält das Dach so noch einmal eine höhere Festigkeit. Auch das
Regenwasser sammelt sich an den Tiefpunkten des Daches, und muss nur
dort an einem angebrachten Abfluss abgeleitet werden.
Autor: http://www.contentworld.com/authors/profile/127/
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